Brook Taylor
entstammt einer vornehmen und wohlhabenden Familie. Sein Großvater väter-
licherseits war Schreiber von Colchester und Repräsentant von
Bedfordshire in Oliver Crom-
wells Versammlung, sein Großvater mütterlicherseits war adelig. Sein
Vater achtete auf strenge Disziplin, interessierte sich aber genauso für Malerei und Musik,
eine Leidenschaft, die er
auch seinem Sohn vererbte. So wurde Taylor ein anerkannter Musiker und
Maler, wobei er
später auch seine mathematischen Fähigkeiten auf diese Gebiete
anwendete.
Bis zu seinem Eintritt ins St.
John's College in Cambridge am 3. April 1703 erhielt Taylor aus-
schließlich Privatunterricht, der ihm eine gute mathematische
Grundlage verschaffte. Bis zu
seiner Graduierung im Jahre 1709 hatte er bereits seine erste
bedeutende mathematische Arbeit verfasst, die allerdings erst 1714 publiziert wurde.
1712 wurde Taylor in die Königliche
Gesellschaft gewählt, was weniger seinen Veröffentli-
chungen bis zu diesem Zeitpunkt zuzuschreiben ist als vielmehr der Fürsprache
etablierter
Mathematiker, die Taylor persönlich und durch schriftliche
Korrespondenz kannten.
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So hatte Taylor z.B. in
ei-
nem Brief an Machin die Lö-
sung eines in Zusammen-
hang mit dem zweiten Kep-
ler’ schen Gesetz stehenden
Problems angegeben. Eben-
falls 1712 wurde Taylor in
das Komitee der Königli-
chen Gesellschaft berufen,
das über den Streit zwi-
schen Newton und Leibniz
über die Urheberschaft an
der Differential- und Inte-
gralrechnung entscheiden sollte. |

2. Kepler’ sches Gesetz |
Die bereits
erwähnte erste Arbeit Taylors, die schon während seiner Studienzeit
entstand und
1714 publiziert wurde, benutzte bereits ausgiebig die
Differentialrechnung Newtons und enthielt die Lösung des Problems des Schwerpunkts eines schwingenden Körpers,
worüber es zu
einem Prioritätsstreit zwischen Taylor und Johann Bernoulli kam.
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de Moivre |
1714 wurde Taylor zum
Sekretär der Königlichen Gesell-
schaft gewählt und er behielt diese Position, bis er sie
1718 einerseits aus gesundheitlichen Gründen, anderer-
seits wegen Amtsmüdigkeit aufgab. Diese Periode war
Taylors mathematisch produktivste Zeit. Zwei 1715 erschienene Bücher, Methodus incrementorum directa et inversa
und Linear Perspective, waren außerordentlich wichtig für
die weitere Entwicklung der Mathematik.
Taylor unternahm mehrere Reisen nach
Frankreich, ebenso aus gesundheitlichen Gründen wie auch um einige seiner Freunde zu besuchen, mit denen er auch nach seiner
Rückkehr weiterhin über verschiedene mathematische
Probleme korrespondierte, insbesondere über unendliche
Reihen und Wahrscheinlichkeitstheorie. Auch mit de Moivre führte er einen Briefwechsel über diese Themen. |
Zwischen 1712 und 1724 publizierte Taylor dreizehn Artikel über
verschiedenste Themen wie
Kapillarität, Magnetismus und Thermometer. So gab er einen Hinweis
auf ein Experiment zurEntdeckung des Gesetzes der magnetischen Anziehung und bewies mit
Hilfe einer neuen Methode zur Berechung von Logarithmen ein numerisches Verfahren zum Lösen
einer Gleichung.
In der gleichen Zeit begann jedoch
in seinem privaten Bereich eine Reihe persönlicher Tragödien. 1721 heiratete er eine Frau aus guter, aber armer Familie,
weshalb sein Vater die Hochzeit ablehnte, wodurch der Kontakt zwischen Taylor und seinem Vater
abbrach. Zwei Jahre
später starb seine Frau nach der Geburt ihres ersten Kindes im
Wochenbett, und auch das Kind
überlebte nicht. Daraufhin kehrte Taylor zu seinem Vater zurück, und
ihre Beziehung normalisierte sich wieder.
1725 heiratete Taylor erneut,
diesmal mit Zustimmung seines Vaters, der aber vier Jahre später
selbst verstarb. Auch seine Frau starb kurz darauf bei der Geburt
ihres ersten Kindes, während
das Kind, die Tochter Elisabeth, überlebte.
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| Taylor führte in die
Mathematik die „Theorie der endlichen Differenzen“ ebenso ein wie die partielle Integration und die berühmte Darstellung einer Funktion
durch eine unendliche Reihe, die nach ihm benannte
„Taylor-Entwicklung“. Diese Ideen erschienen 1715 in
dem schon erwähnten Buch Methodus incrementorum directa et inversa, doch findet sich die erste Erwähnung einer Version des heute „Satz von Taylor“
genannten Sachverhalts bereits 1712 in einem Brief
aus Taylors mathematischer Korrespondenz, in dem
er auch ausführlich erklärt, wie er in Kaffeehausgesprächen mit anderen Mathematikern auf die Idee zu
diesem Satz gekommen ist. |

Die Formel der unendlichen Taylor-Reihe
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Dennoch hat Taylor keineswegs als erster derartige Überlegungen
angestellt. Varianten seines
Satzes wurden unabhängig voneinander auch z.B. von Newton, Leibniz,
Johann Bernouli und
de Moivre entdeckt. Die besondere Bedeutung der Version Taylors blieb
bis 1772 unerkannt,
bis Lagrange sie zum grundlegenden Prinzip der Differentialrechnung
erklärte. Der Name
„Taylor-Reihen“ ist wohl erstmals 1786 benutzt worden.
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Formel zur Berechung der Ableitung
einer Funktion mir Hilfe ihrer Umkehrfunktion |
In der Methodus
incrementorum directa et inversa sind
eine Reihe weiterer Ideen enthalten, deren überragende Bedeutung erst später erkannt wurde, wie zum
Beispiel singuläre Lösungen von Differentialgleichungen, Koordinatentransformationen und die Formel zur
Berechung der Ableitung einer Funktion mir Hilfe ihrer
Umkehrfunktion. Auch eine Untersuchung schwingender Saiten ist enthalten, ein Thema, mit dem sich Taylor wohl vor allem wegen seiner musikalischen Ambitionen beschäftigte. |
Sein Interesse an der Malerei führte
zu Untersuchungen über die grundlegenden Eigenschaf-
ten der Perspektive, die er 1715 in der Linear Perspective veröffentlichte,
die in ihrer zweiten
Auflage New principles of linear perspective heißt. Diese
Arbeit steht auf außerordentlich ho-
hem mathematischen Niveau und ist teilweise sogar für Mathematiker
schwer zu verstehen,
und für die „normalen“ Maler, die bei ihrer Arbeit sicher davon hätten
profitieren können,
unverständlich. Taylor führte den Begriff der „linearen
Perspektive“ ein und arbeitete mit
Fluchtpunkten und Fluchtlinien, ohne aber diese Begriffe bereits zu
benutzen, und entwickel-
te erste Anfänge der beschreibenden und projektiven Geometrie. |
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