| Fouriers
Vater war Schneider in Auxerre. Nach dem Tod seiner ersten Frau, mit
der er drei Kinder
hatte, heiratete er erneut, und Joseph war das neunte von zwölf
Kindern, die aus dieser zweiten
Ehe hervorgingen. Seine Mutter starb, als er neun Jahre alt war, und
sein Vater ein Jahr später.
Die erste Schule, die Fourier
besuchte, war die Pallais-Schule, die vom Hauptkantor der Kathedrale von Auxerre geleitet wurde. Dort lernte er Latein und Französisch
und war ein recht vielversprechender Schüler. 1780 wechselte er auf die Königlicher Militärschule
von Auxerre, wo er zunächst besonderes Interesse an Literatur zeigte, aber schon im Alter
von 13 Jahren entdeckte er
die Mathematik als seine eigentliche Berufung. Schon mit 14 Jahren
hatte er das sechsbändige
Werk Cours de mathématiques von Bézout gelesen, und 1783
gewann er einen ersten Preis für
seine Untersuchung der Mécanique en général von Bossut.
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1787 entschied sich
Fourier, Priester zu werden, und trat in die Benediktiner-Abtei von
St. Benoit-sur-Loire ein. Sein Interesse
an Mathematik wurde dadurch aber nicht geringer, und er führ-
te einen Briefwechsel mit Bonard, dem Mathematik-Professor
in Auxerre. Fourier war sich nicht sicher, ob er mit dem Eintritt
ins Kloster die richtige Entscheidung getroffen hatte. Er schickte
eine Arbeit über Algebra an Montucla in Paris und seine Briefe
an Bonard zeigen, dass er sich intensiv mit Mathematik beschäftigen wollte. Einen Tag nach seinem 21. Geburtstag schrieb er
in einem Brief, dass Newton und Pascal in diesem Alter bereits
Entdeckungen gemacht hatten, die ihnen unvergänglichen Ruhm
sicherten.. |
Newton |
Fourier verließ 1789 das Kloster, besuchte Paris und las eine Arbeit
über algebraische Gleichungen an der Königlichen Akademie der Wissenschaften. 1790 wurde er
Lehrer an der Königlichen
Militärschule in Auxerre, an der er selbst Schüler gewesen war. Bis
zu diesem Zeitpunkt war Fourier noch unschlüssig gewesen, ob er sich zum Priester weihen lassen
oder eine mathematische
Karriere anstreben sollte. Jetzt aber wurde er ein begeisterter Anhänger
der Ideen der Französischen Revolution, durch die u.a. das Leben der Priester sehr schwierig
und die Wissenschaften
freier wurden von Bevormundung durch Adel und Klerus.
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Guillotine |
Fourier wurde sogar
Mitglied des Revolutionären Komitees, doch als der Terror immer mehr um sich griff, wollte er sich von der Revolution zurückziehen.
Dies gelang
ihm jedoch nicht; vielmehr geriet er immer mehr zwischen die Fronten
der verschiedenen Splittergruppen, die zwar weitgehend gleiche Ziele hatten, aber
dennoch gewaltsam gegen Andersdenkende vorgingen. In Orleans
verteidigte er Mitglieder einer solchen Splittergruppe äußerst geschickt, kehrte anschließend
aber wieder nach
Auxerre zurück und setzte seine Tätigkeit an der Militärschule
ebenso fort wie die im
Revolutionären Komitee. Auf Grund des Vorfalls in Orleans wurde er
aber 1794 inhaftiert und fürchtete schon, auf der Guillotine zu enden, doch nachdem
Robbespierres
Tod änderten sich die politischen Verhältnisse und Fourier kam wieder
frei. |
Ende 1794 wurde Fourier für ein Studium an der Normalschule in Paris
vorgeschlagen, die neu
eingerichtet worden war um Lehrer auszubilden und als Vorbild für
andere derartige Schulen dienen sollte. Sie öffnete im Januar 1795, und Fourier war sicher der fähigste
ihrer Schüler. Er wurde
u.a. von Lagrange, Laplace und Monge unterrichtet, zu denen er ein
ausgezeichnetes Verhältnis
hatte und mit denen er mathematische Forschungen begann. Er wurde an
die Zentrale Schule für
öffentliche Aufgaben berufen, die kurz danach in Polytechnische
Schule umbenannt wurde.
Dann wurde Fourier aber erneut
inhaftiert, jedoch auf Bitten seiner Lehrer und Schüler und einer
erneuten Änderung des politischen Klimas wieder freigelassen. Am
1.September 1795 kehrte er
an die Polytechnische Schule zurück. 1797 folgte er Lagrange auf den
Lehrstuhl für Analysis und
Mechanik. Er galt als hervorragender Lehrer, doch scheint er in dieser
Zeit keine eigenständigen
Ergebnisse seiner mathematischen Forschungen erzielt zu haben.
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| 1798
nahm Fourier als wissenschaftlicher Berater
an Napoleons Ägyptenfeldzug teil, der zunächst
sehr erfolgreich verlief. Am 1. August jedoch vernichtete Nelson in der Schlacht vom Nil die gesamte französische Flotte, so dass Napoleon ans
Land gefesselt war. Fourier arbeitete am Aufbau
einer Verwaltung nach französischem Vorbild,
insbesondere kümmerte er sich um
Erziehungseinrichtungen und führte archäologische Untersuchungen durch.
Neben Napoleon selbst
gehörte Fourier zu
den 12 Gründungsmitgliedern des Kairoer Instituts, wurde zum Sekretär des Instituts gewählt und behielt
diese Position während der gesamten französischen Besetzung Ägyptens. Außerdem wurde er
mit der Sammlung aller wissenschaftlichen und
literarischen Entdeckungen beauftragt, die während der Besetzung Ägyptens gemacht wurden. |

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Napoleon
in Ägypten |
1799 verließ Napoleon seine Armee und kehrte nach Paris zurück, wo
er bald zum absoluten Herrscher wurde. 1801 kehrte auch Fourier mit den
Resten des Expeditionskorps zurück und nahm
seine Arbeit als Professor für Analysis an der Polytechnischen Schule
wieder auf. Napoleon aber
wollte, dass er Nachfolger des verstorbenen Präfekten des
Departements Isere werde. Fourier verließ die akademische Welt nur ungern, konnte sich aber dem Wunsch
Napoleons nicht wiedersetzen. Er ging nach Grenoble und nahm die zahl- und umfangreichen
Arbeiten eines Präfekten auf.
Seine beiden größten Projekte waren dabei die Trockenlegung der Sümpfe
von Bourgoin und der
Bau einer Straßenverbindung zwischen Grenoble und Turin.
Dennoch gelang Fourier gleichzeitig
(etwa 1804 – 1807) sein bedeutsames mathematisches Werk On the Propagation of Heat in Solid Bodies über die Wärmetheorie.
Am 21 Dezember schickte er
es an das Pariser Institut, und Lagrange, Laplace, Monge und Lacroix
wurden zu Gutachtern berufen. Heute gilt diese Arbeit Fouriers als
herausragend, damals allerdings wurde sie recht kontrovers diskutiert. Ein Grund dabei war, dass Fourier in seiner Arbeit
mit unendlichen trigonometrischen Reihen, heute Fourier-Reihen genannt, arbeitete, die er aber
noch nicht sauber einführte. Dass weder Lagrange noch Laplace in der Lage waren, den fehlenden
Beweis selbst zu führen, zeugt dabei von der besonderen Originalität Fouriers. Zwar
gewann Fourier mit seinen o.g.
Untersuchungen 1811 einen Preis, den das Pariser Institut
ausgeschrieben hatte (es war allerdings
nur eine weitere Arbeit eingereicht worden), doch die Zweifel an
seinen Methoden blieben und
eine Veröffentlichung kam nicht zustande.
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Als Napoleon geschlagen
war
und nach Elba gebracht wurde,
sollte sein Weg auch durch Gre-
noble führen. Fourier wollte dies
verhindern, da er Schwierigkei-
ten befürchtete, und schickte Napoleon eine Nachricht, dass es
für ihn zu gefährlich sei, durch
Grenoble zu reisen.
Doch drei Monate später, als er
mit einer Armee auf dem Weg
von Elba zurück nach Paris war,
marschierte Napoleon doch in
Richtung Grenoble. Fourier war
dadurch sehr beunruhigt und rief
die Bevölkerung zum Widerstand
gegen Napoleon und zur Treue
zum König auf. Als Napoleon
jedoch in die Stadt einmarschierte, verließ Fourier eilig die Stadt
und floh. |
Napoleon war verärgert über Fourier, von dem er einen freundlichen
Empfang erwartet hatte. Es
gelang Fourier jedoch, den Streit beizulegen, und Napoleon ernannte
ihn zum Präfekten des Departments Rhone. Bald gab es jedoch einen Erlass, dass Beamte, die mit
dem Königtum sympathisierten, zu entlassen waren. Fourier scheint bei Napoleon dennoch
nicht gänzlich in Ungnade gefallen zu sein, denn ihm wurde eine Pension von 6000 Francs ab 1. Juli
1815 gewährt. Genau an
diesem Tag aber unterlag Napoleon bei Waterloo endgültig, und Fourier
erhielt das Geld nie.
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| Fourier kehrte nach Paris
zurück, wo er 1817 in die Akademie der Wissenschaften aufgenommen wurde, deren Sekretär er fünf Jahre später wurde. Kurz danach veröffentlichte die Akademie den Aufsatz Théorie
analytique de la chaleur, mit dem er 1811 den Preis des Pariser
Instituts gewonnen hatte. Diese Publikation war allerdings nicht von Fourier selbst,
sondern schon von seinem Vorgänger veranlasst worden.
Während seiner letzten acht Jahre
in Paris nahm Fourier seine mathematischen Untersuchungen wieder auf und veröffentlichte sowohl in
reiner
als auch in angewandter
Mathematik zahlreiche Artikel. Fouriers Arbeiten
ebneten den trigonometrischen Reihen und der Theorie der Funktionen
einer reellen Veränderlichen den Weg, doch waren seine Methoden seiner Zeit voraus, und so erhielt er nicht die Anerkennung, die ihm
gebührt
hätte. |
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Zitate von Fourier
-
Die
Differentialgleichungen beschreiben die ganz allgemeinen
Bedingungen für die Aus-
breitung von Wärme und führen die physikalischen Fragestellungen
auf reine Mathematik
zurück, und genau das sollte eine gute Theorie leisten.
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Wärme
durchdringt, wie auch die Schwerkraft, das ganze Universum, ihre
Spuren finden
sich im ganzen Weltall. Gegenstand unserer Arbeit ist es, die
mathematischen Gesetze zu
entdecken, denen die Wärme gehorcht. Dadurch wird die
Wärmetheorie zu einem bedeut-
samen Zweig der allgemeinen Physik.
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Das
gründliche Studium der Natur ist die beste Quelle mathematischer
Entdeckungen.
-
Mathematik ist
genauso weit verbreitet wie die Natur selbst.
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Mathematik
vergleicht die verschiedensten Phänomene und entdeckt die
geheimen Zusammenhänge, die zwischen ihnen bestehen.
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