Biografie von René Descartes

(im Wesentlichen übersetzt aus der Mathematiker-
Datenbank der University of St. Andrews, Schottland)

René Descartes

geboren:

31. März 1596 in La Haye, Frankreich

gestorben: 11. Februar 1650 in Stockholm

Aus der Vorlesung bekannt durch
  • das kartesische Koordinatensystem
Descartes erhielt im Alter von 8 bis 16 Jahren Unterricht an der Jesuitenschule von La Flèche
in Anjou, u.a. in klassischer Logik, Aristotelischer Philosophie und Mathematik, und nur die
letztere hatte ihn wirklich interessiert. Da seine Gesundheit nicht die beste war, erhielt er die
Erlaubnis bis 11 Uhr morgens im Bett zu bleiben. Diese Gewohnheit behielt er bis zum Jahr
seines Todes bei.
 
Descartes verbrachte eine Weile in Paris und studierte dann an der Universität Poitiers, wo er 1616 ein Jurastudium abschloss, und wechselte danach an die Militärschule in Breda. 1618 fing er bei dem niederländischen Wissenschaftler Isaac Beeckman mit dem Studium der Mathematik und Mechanik an und begann die Suche nach einer Vereinheitlichung der Naturwissenschaften, die ihn Zeit seines Lebens beschäftigen sollte.
Nach zwei Jahren in Holland reiste er durch Europa und hielt sich dabei
zunächst in Böhmen (1620), Ungarn (1621), Deutschland, Holland und
Frankreich (1622-23) auf, später in Italien und erneut in Frankreich (1625). Dann ließ er sich dauerhaft in den Niederlanden nieder.


Siegel der
Universität Poitiers


Kurz danach begann Descartes mit der Arbeit an Le Monde, ou Traité de la Lumière (Die Welt, oder Abhandlung über das Licht), seinem ersten großen wissenschaftlichen Werk in Physik. Als er es fast beendet hatte, erführ er vom Hausarrest Galileos und entschied sich gegen eine Veröffentlichung. So wurde die Arbeit erst nach seinem Tod und auch nur in Auszügen publiziert.

In Holland hatte Descartes unter den Wissenschaftlern eine Reihe von Freunden, die ihn drängten , seine Ideen zu publizieren. Obwohl er hartnäckig dabei blieb, Le Monde nicht zu veröffentlichen, schrieb er eine andere wissenschaftliche Abhandlung unter dem Titel Discours de la méthode pour bien conduire sa raison et chercher la vérité dans les sciences. Drei Anhänge dazu waren La Dioptrique, Les Météores und La Géométrie. Diese Abhandlung wurde 1637 in Leiden veröffentlicht und Descartes selbst sagte dazu: „In La Dioptrique und Les Météores habe ich versucht zu zeigen, dass meine wissenschaftliche Methode besser ist als die bisher übliche, und in La Géométrie habe ich es bewiesen.“ Descartes fühlte, dass nur die Mathematik wirklich sichere Erkenntnisse ermöglicht, und daher alle Wissenschaft auf Mathematik aufbauen muss.

La Dioptrique ist ein Werk über Optik, das zwar kaum neue wissenschaftliche Erkenntnisse von Descartes enthält, aber dennoch sehr wichtig war, da es als neuen Ansatz das Experiment und dessen genaue Analyse in den Blickpunkt der Forschung rückte.
 

Der Halley' sche Komet

Les Météores ist ein Werk über Meteorologie, in dem zum ersten
Mal der Versuch unternommen wird, Untersuchungen über das
Wetter auf eine wissenschaftliche Basis zu stellen. Doch sind viele von Descartes Behauptungen nicht nur falsch, sondern hätten durch einfache Experimente auch leicht als falsch erkannt werden können. So behauptet Descartes beispielsweise, dass Wasser schneller gefriert, wenn es zuvor erhitzt wurde. Dennoch hat Descartes trotz der vielen Fehler die Meteorologie als Gegenstand wissenschaftlicher Untersuchungen etabliert, und andere Wissenschaftler wie Boyle, Hooke und Halley setzten Descartes’ Gedanken fort.

La Géométrie ist mit großem Abstand das wichtigste von Descartes’ Werken. Durch seine geniale Verknüpfung von Algebra und Geometrie gelang es ihm, gemeinsame Strukturen in verschiedenen geometrischen Problemen zu entdecken, die bei rein geometrischer Betrachtung keinerlei Gemeinsamkeiten haben, und so eine ganze Reihe geometrischer Probleme zu lösen, die zuvor nicht gelöst werden könnten. Insbesondere findet sich in diesem Werk erstmals das heute nicht mehr aus der Mathematik wegzudenkende kartesische Koordinatensystem.
 
1644 veröffentlichte Descartes Principia Philosophiae, sein umfassendstes Werk, in dem er in den vier Teilen The Principles of Human Knowledge, The Principles of Material Things, Of the Visible World and The Earth den Versuch unternimmt, das ganze Weltall auf eine mathematische Basis zu stellen, zunächst
ein  richtungweisender Ansatz. Descartes glaubte
nicht an eine Fernwirkung, sondern dass Kräfte nur
über direkten Kontakt übertragen werden konnten,
und war daher z.B. der Meinung, dass es um die Erde herum kein Vakuum geben könne.

Trotz derartiger Irrtümer ist Descartes’ Himmelsme-
chanik bewundernswert. Er ging von der Annahme
aus, das das Universum mit einer Art Materie gefüllt ist, der als Ergebnis ursprünglicher Bewegung ein System von Wirbeln herbvorgebracht hat, das die Sonne, die Sterne, die Planeten und die Kometen auf ihren Bahnen hält. Obwohl auch diese Wirbeltheorie nicht widerspruchsfrei war, hielt sie sich z.B. in Frankreich fast 100 Jahre lang, sogar noch, nachdem Newton seine zutreffendere Himmelsmechanik entwickelt hatte und bewiesen hatte, dass die Wirbeltheorie nicht als dynamisches System bestehen konnte.
 

Deckblatt der Principia Philosophiae

Königin Christina

Im Jahre 1649, also kurz nach dem Ende des dreißigjährigen Krieges, kam
Descartes auf Wunsch der Königin Christina von Schweden nach Stockholm, um mit ihr mathematische Diskussionen zu führen und sie in Mathematik zu unterrichten. Dabei sah der Tagesablauf der Königin vor, dass ihre Treffen bereits morgens um 5 Uhr begannen, was für Descartes, der wie bereits erwähnt erst um 11 Uhr aufzustehen pflegte, äußerst gewöhnungsbedürftig war. Nach wenigen Monaten im kalten nordischen Klima, in denen Descartes also jeden Morgen um fünf Uhr zum Königlichen Palast gegangen war, zog er sich eine Lungenentzündung zu, an der er wenig später verstarb.

 

Zitate von Descartes

  • Von allen Dingen ist der Verstand am gerechtesten verteilt: Jeder ist der Meinung, so viel davon zu haben, dass es niemand für nötig hält, sich selbst mehr davon zu wünschen!
     

  • Jedes Problem, das ich gelöst habe, wurde zu einer Regel, mit der ich später weitere
    Probleme lösen konnte.
     

  • Alle Gesetze, die ich in der Wissenschaft entdeckte,  ergeben sie sich aus fünf oder sechs grundlegenden Regeln.
     

  • Wenn wir die Wahrheit nicht kennen, sollten wir uns nach dem richten, was am wahr-
    scheinlichsten ist.

  • Cogito Ergo Sum (ich denke, also bin ich).
     

  • Ich hoffe, die Nachwelt wird mich freundlich beurteilen, nicht nur für die Dinge, die ich
    erklären konnte, sondern auch für die, die ich absichtlich ausgelassen habe, um ande-
    ren das Vergnügen zu lassen, sie selbst zu entdecken.
     

  • Bei meinen Untersuchungen bin ich stets nach folgenden vier Regeln vorgegangen:
    1. Nur als wahr ansehen, was durch einen unerschütterlichen Beweis bewiesen ist
    2. Jedes Problem in so viele Teilprobleme wie möglich untergliedern
    3. Zunerst das einfachste Teilproblem lösen und dann den Schwierigkeitsgrad  steigern
    4. Äußerst sorgfältig prüfen, ob keine Möglichkeit und kein Detail übersehen wurde

  • Vollkommene Zahlen sind genau so selten wie vollkommene Menschen.
     

  •  Für mich sind alle Dinge Mathematik.
     

  • Es genügt nicht, einen guten Verstand zu haben. Man muss ihn auch benutzen.
     

  • Wer wirklich nach Wahrheit sucht, muss zunächst alle Dinge so weit wie möglich in Frage
    stellen.
     

  • Es gibt zwei Wege der Erkenntnis, die Intuition und die Deduktion. Dabei ist die Intuition das Werk des reinen und aufmerksamen Geistes, der nur vom Verstand inspiriert wird,
    und somit zuverlässiger als die Deduktion.