Descartes
erhielt im Alter von 8 bis 16 Jahren Unterricht an der Jesuitenschule
von La Flèche
in Anjou, u.a. in klassischer Logik, Aristotelischer Philosophie und
Mathematik, und nur die
letztere hatte ihn wirklich interessiert. Da seine Gesundheit nicht
die beste war, erhielt er die
Erlaubnis bis 11 Uhr morgens im Bett zu bleiben. Diese Gewohnheit
behielt er bis zum Jahr
seines Todes bei.
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Descartes verbrachte eine
Weile in Paris und studierte dann an der Universität Poitiers, wo er 1616 ein Jurastudium abschloss, und
wechselte
danach an die Militärschule in Breda. 1618 fing er bei dem niederländischen Wissenschaftler Isaac Beeckman mit dem Studium der Mathematik
und Mechanik an und begann die Suche nach einer Vereinheitlichung
der Naturwissenschaften, die ihn Zeit seines Lebens beschäftigen
sollte.
Nach zwei Jahren in Holland reiste er durch Europa und
hielt sich dabei
zunächst in Böhmen (1620), Ungarn (1621), Deutschland, Holland und
Frankreich (1622-23) auf, später in Italien und erneut in Frankreich
(1625). Dann ließ er sich dauerhaft in den Niederlanden nieder. |

Siegel
der
Universität Poitiers |
Kurz danach begann Descartes mit der Arbeit an Le Monde, ou Traité
de la Lumière (Die Welt,
oder Abhandlung über das Licht), seinem ersten großen
wissenschaftlichen Werk in Physik.
Als er es fast beendet hatte, erführ er vom Hausarrest Galileos
und entschied sich gegen eine
Veröffentlichung. So wurde die Arbeit erst nach seinem Tod und auch
nur in Auszügen publiziert.
In Holland hatte Descartes unter den
Wissenschaftlern eine Reihe von Freunden, die ihn drängten , seine Ideen zu publizieren. Obwohl er hartnäckig dabei blieb, Le
Monde nicht zu veröffentlichen, schrieb er eine andere wissenschaftliche Abhandlung unter
dem Titel Discours de la
méthode pour bien conduire sa raison et chercher la vérité dans les
sciences. Drei Anhänge
dazu
waren La Dioptrique, Les Météores und La Géométrie. Diese
Abhandlung wurde 1637 in Leiden
veröffentlicht und Descartes selbst sagte dazu: „In La
Dioptrique und Les Météores habe ich versucht zu zeigen, dass meine wissenschaftliche Methode besser ist als
die bisher übliche, und in La Géométrie habe ich es bewiesen.“ Descartes fühlte, dass
nur die Mathematik wirklich sichere Erkenntnisse ermöglicht, und daher alle Wissenschaft auf
Mathematik aufbauen muss.
La Dioptrique ist ein Werk über
Optik, das zwar kaum neue wissenschaftliche Erkenntnisse von
Descartes enthält, aber dennoch sehr wichtig war, da es als neuen
Ansatz das Experiment und
dessen genaue Analyse in den Blickpunkt der Forschung rückte.
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Der Halley' sche Komet |
Les Météores ist
ein Werk über Meteorologie, in dem zum ersten
Mal der Versuch unternommen wird, Untersuchungen über das
Wetter auf eine wissenschaftliche Basis zu stellen. Doch sind viele von Descartes Behauptungen nicht nur falsch, sondern hätten
durch einfache Experimente auch leicht als falsch erkannt werden können. So behauptet Descartes beispielsweise, dass Wasser schneller gefriert, wenn es zuvor erhitzt wurde. Dennoch hat
Descartes trotz der vielen Fehler die Meteorologie als Gegenstand wissenschaftlicher Untersuchungen etabliert, und andere
Wissenschaftler wie Boyle, Hooke und Halley setzten Descartes’
Gedanken fort. |
La Géométrie ist mit großem
Abstand das wichtigste von Descartes’ Werken. Durch seine geniale Verknüpfung von Algebra und Geometrie gelang es ihm, gemeinsame
Strukturen in verschiedenen geometrischen Problemen zu entdecken, die bei rein
geometrischer Betrachtung
keinerlei Gemeinsamkeiten haben, und so eine ganze Reihe geometrischer
Probleme zu lösen, die zuvor nicht gelöst werden könnten. Insbesondere findet sich
in diesem Werk erstmals
das heute nicht mehr aus der Mathematik wegzudenkende kartesische
Koordinatensystem.
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1644 veröffentlichte
Descartes Principia Philosophiae,
sein umfassendstes Werk, in dem er in den vier Teilen The Principles of Human Knowledge, The Principles of Material Things, Of the Visible World and The
Earth den Versuch unternimmt, das ganze Weltall
auf eine mathematische Basis zu stellen, zunächst
ein richtungweisender Ansatz. Descartes glaubte
nicht an eine Fernwirkung, sondern dass Kräfte nur
über direkten Kontakt übertragen werden konnten,
und war daher z.B. der Meinung, dass es um die Erde herum kein Vakuum geben könne.
Trotz derartiger Irrtümer ist
Descartes’ Himmelsme-
chanik bewundernswert. Er ging von der Annahme
aus, das das Universum mit einer Art Materie gefüllt
ist, der als Ergebnis ursprünglicher Bewegung ein
System von Wirbeln herbvorgebracht hat, das die
Sonne, die Sterne, die Planeten und die Kometen
auf ihren Bahnen hält. Obwohl auch diese Wirbeltheorie nicht widerspruchsfrei war, hielt sie sich z.B.
in Frankreich fast 100 Jahre lang, sogar noch, nachdem Newton seine zutreffendere Himmelsmechanik
entwickelt hatte und bewiesen hatte, dass die Wirbeltheorie nicht als dynamisches System bestehen
konnte.
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Deckblatt der
Principia Philosophiae |
Königin Christina |
Im Jahre 1649, also kurz
nach dem Ende des dreißigjährigen Krieges, kam
Descartes auf Wunsch der Königin Christina von Schweden nach
Stockholm,
um mit ihr mathematische Diskussionen zu führen und sie in Mathematik
zu
unterrichten. Dabei sah der Tagesablauf der Königin vor, dass ihre
Treffen
bereits morgens um 5 Uhr begannen, was für Descartes, der wie bereits
erwähnt erst um 11 Uhr aufzustehen pflegte, äußerst
gewöhnungsbedürftig war.
Nach wenigen Monaten im
kalten nordischen Klima, in
denen Descartes also
jeden Morgen um fünf Uhr zum Königlichen Palast gegangen war, zog er
sich
eine Lungenentzündung zu, an der er wenig später verstarb.
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Zitate von
Descartes
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Von allen
Dingen ist der Verstand am gerechtesten verteilt: Jeder ist der
Meinung, so viel
davon zu haben, dass es niemand für nötig hält, sich selbst
mehr davon zu wünschen!
-
Jedes Problem,
das ich gelöst habe, wurde zu einer Regel, mit der ich später
weitere
Probleme lösen konnte.
-
Alle Gesetze,
die ich in der Wissenschaft entdeckte,
ergeben sie sich aus fünf oder sechs
grundlegenden Regeln.
-
Wenn wir die
Wahrheit nicht kennen, sollten wir uns nach dem richten, was am
wahr-
scheinlichsten ist.
-
Cogito Ergo
Sum (ich denke, also bin ich).
-
Ich hoffe, die
Nachwelt wird mich freundlich beurteilen, nicht nur für die
Dinge, die ich
erklären konnte, sondern auch für die, die ich absichtlich
ausgelassen habe, um ande-
ren das Vergnügen zu lassen, sie selbst zu entdecken.
- Bei meinen Untersuchungen bin ich
stets nach folgenden vier Regeln vorgegangen:
1.
Nur als wahr ansehen, was durch einen unerschütterlichen
Beweis bewiesen ist
2. Jedes Problem in so viele Teilprobleme wie möglich
untergliedern
3. Zunerst das einfachste Teilproblem lösen und dann den
Schwierigkeitsgrad steigern
4. Äußerst sorgfältig prüfen, ob keine Möglichkeit und
kein Detail übersehen wurde
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Vollkommene
Zahlen sind genau so selten wie vollkommene Menschen.
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Für
mich sind alle Dinge Mathematik.
-
Es genügt
nicht, einen guten Verstand zu haben. Man muss ihn auch benutzen.
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Wer wirklich
nach Wahrheit sucht, muss zunächst alle Dinge so weit wie
möglich in Frage
stellen.
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Es
gibt zwei Wege der Erkenntnis, die Intuition und die Deduktion.
Dabei ist die Intuition das Werk des reinen und aufmerksamen
Geistes, der nur vom Verstand inspiriert wird,
und somit zuverlässiger als die Deduktion.
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