| Gabriel
Cramer war der Sohn von Jean Isaac Cramer, einem Genfer Arzt, und Anne
Mallet. Er hatte zwei Brüder, die wie er selbst akademische Laufbahnen als Arzt
bzw. Jura-Professor
einschlugen. Bereits im Alter von 18 Jahren wurde ihm für eine Arbeit
über die Theorie des
Schalls der Doktortitel verliehen. Zwei Jahre später bewarb er sich
auf einen Lehrstuhl für
Philosophie an der Akademie von Clavin in Genf. Dabei hatte er zwei
Mitbewerber: Giovanni Ludovico Calandrini, der nur ein Jahr älter war als Cramer selbst,
und der deutlich ältere
Amédée de la Rive. Die Mitglieder der Berufungskommission
favorisierten zunächst wegen
seiner größeren Erfahrung den letzteren, waren aber dann von den
beiden brillanten jungen
Männern so beeindruckt, dass sie eine Möglichkeit ersannen, alle
drei Bewerber an die Akademie zu holen, da sie von Cramer und Calandrini erwarteten, dass sie
in Zukunft sehr wertvoll für die Akademie sein würden.
Die zu vergebende Professur wurde
geteilt in einen Lehrstuhl für Philosophie, den de la Rive
erhielt, und einen Lehrstuhl für Mathematik, den sich Cramer und Calandrini teilten, sowohl
im Gehalt als auch in den Lehrpflichten. Ferner sollte jeder der
beiden für zwei oder drei Jahre auf Reisen zu anderen europäischen Hochschulen gehen und in dieser
Zeit vom jeweils anderen vertreten werden. Dieses Vorgehen band nicht nur alle drei Männer
an die Akademie,
sondern gab den beiden jüngeren auch die Gelegenheit, Mathematiker überall
in Europa kennen zu lernen, wovon nicht nur sie selbst, sondern auch die Akademie
profitierten.
Cramer und Calandrini teilten sich
die mathematischen Kurse auf: Cramer hielt Vorlesungen
über Geometrie und Mechanik, Calandrini über Algebra und Astronomie.
Sie arbeiteten so
eng zusammen, dass ihre Freunde sie Castor und Pollux nannten. Da sie
recht verschiedene
Persönlichkeiten waren, hätte das Teilen der Stelle alle Arten von
Schwierigkeiten bereiten
können, doch auf Grund ihres Naturells lief die Zusammenarbeit
bemerkenswert gut. So wird
von Cramer gesagt, er sei freundlich, humorvoll, angenehm in Stimme
und Auftreten gewesen, habe ein gutes Gedächtnis, gutes Urteilsvermögen und gute
Gesundheit besessen.
Cramer führte er eine für die
damalige Zeit grundlegende Neuerung ein, indem er seine Vorlesungen auf Französisch statt auf Latein hielt, um auch Studenten,
die des Lateinischen nicht
mächtig waren, das Studium der Mathematik zu ermöglichen.
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| Nachdem er drei Jahre an
der Akademie gelehrt hatte, trat Cramer 1727
vereinbarungsgemäß seine zweijährige Reise durch Europa an, auf der
er führende Mathematiker in vielen verschiedenen Städten und Ländern
kennen lernte. Zuerst ging er nach Basel, wo er fünf Monate mit
Johann
Bernoulli zusammen arbeitete, und auch Euler kennen lernte, der kurz
daraus nach Königsberg ging. Dann reiste Cramer nach England und
machte u.a. die Bekanntschaft von Halley, de Moivre und Stirling. Die
nächste Station war Leiden, wo er 's Gravesande kennen lernte,
gefolgt
von Paris, wo er mit Fontenelle, Maupertuis, Buffon und Clairaut
zusammen kam. |
Euler |
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Der Gedankenaustausch mit diesen Mathematikern, den er per
Briefwechsel fortsetzte, nachdem er wieder nach Genf zurückgekehrt war, hatte einen großen
Einfluss auf sein gesamtes
Werk und seine Karriere, da er bei all seinen Gesprächspartnern
großen Eindruck hinterlassen
hatte.
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Johann Bernoulli |
Zurück
in Genf arbeitete Cramer zunächst an der Frage
"Quelle est la
cause de la figure elliptique des planètes et de la mobilité de
leurs
aphélies?" (Was ist der Grund für die Elliptische Bahn
der Planeten
und die Beweglichkeit ihrer Aphelien?), für deren Beantwortung die
Pariser Akademie für 1730 einen Preis ausgesetzt hatte. Cramers Arbeit wurde als zweitbeste ausgezeichnet, den ersten Preis gewann
Johann Bernoulli. 1734 trennten sich die Wege der „Zwillinge“
Cramer
und Calandrini, als letzterer den Lehrstuhl für Philosophie übernahm
und Cantor alleiniger Inhaber des Lehrstuhls für Mathematik wurde. |
Cramer war stets sehr beschäftigt, da er außer seiner Lehrtätigkeit
und seinen zahlreichen
Briefwechseln noch eine Reihe von Artikeln von beachtlichem Interesse
verfasste, wenn sie
auch nicht so bedeutsam waren wie die einiger anderer Mathematiker,
mit denen er korrespondierte. Seine Publikationen betreffen sehr verschiedene Gebiete,
von geometrischen Problemen über die Geschichte der Mathematik und die Philosophie bis zum
Datum von Ostern
und juristischen Abhandlungen, in denen er darlegt, welche Bedeutung
das unabhängige
Zeugnis von zwei oder drei Zeugen gegenüber nur einem einzigen Zeugen
hat.
Sein Interesse beschränkte sich
keineswegs nur auf die Wissenschaft. So war sowohl 1734
Mitglied im Rat der Zweihundert als auch 1749 im Rat der Siebzig, und
in dieser Eigenschaft
übernahm er Aufgaben in Zusammenhang mit Artillerie, Festungsanlagen,
Wiederaufbau zerstörter Gebäude und Ausgrabungen, wobei er seine mathematischen und
wissenschaftlichen
Kenntnisse bestens einsetzen konnte. 1747 reiste er erneut nach Paris,
wo er d’ Alembert kennen lernte und seine Freundschaft mit Fontenelle erneuerte.
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| Seine wichtigsten
Beiträge zur Mathematik leistete Cramer als Herausgeber
der mathematischen Werke anderer und durch sein 1750 publiziertes Buch
Introduction à l'analyse des lignes courbes algébriques
(„Einführung in die
Analyse algebraischer Kurven“) , das wurde. Johann Bernoulli
z.B. starb
1748, nur etwa drei Jahre vor Cramer, doch verfügte er schon zu
Lebzeiten,
dass nur Cramer seine Arbeiten veröffentlichen durfte, und bat ihn
gleichzeitig, auch die Arbeiten seines Bruders Jakob herauszugeben, der bereits
1705
gestorben war. So veröffentlichte
Cramer 1742die gesammelten Werke
Johann Bernoullis in vier Bänden und 1744 die Arbeiten Jakob Bernoullis
in
zwei Bänden. In letzteren fehlt zwar die „Ars conjectandi“, das
vielleicht
wichtigste Werk Jakob Bernoullis, doch enthalten sie zahlreiche vorher
unveröffentlichte Arbeiten Jakob Bernoullis einschließlich der zu
ihrem Verständnis notwendigen mathematischen Grundlagen. 1745 veröffentlichte
Cramer mit Castillon den Briefwechsel zwischen Johann Bernoulli und
Leibniz. |
Jakob Bernoulli
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Cramers wichtigstes eigenes Buch ist Introduction à l'analyse des
lignes courbes algébriques
(s.o), von der Cramer selbst sagte, dass er sich viel Arbeit daran
hätte ersparen können, wenn
er früher im Besitz von Eulers Introductio in analysin infinitorum
(„Einführung in die Infinitesimalrechnung“) gewesen wäre, die aber erst 1748 publiziert wurde,
als Cramer den größten
Teil seiner Arbeiten bereits fertig gestellt hatte. Diese
Selbsteinschätzung ist etwas verwunderlich, da Cramer in seinem Werk die Infinitesimalrechung nicht
wesentlich, sondern nur in
Begriffen wie Tangente, Minimum und Maximum benutzt, und dabei Taylor
und Maclaurin
zitiert. Manchmal wird sogar behauptet, Cramer habe die
Infinitesimalrechnung nie verstanden bzw. anerkannt, was jedoch äußerst unwahrscheinlich ist
angesichts seines Ansehens bei
Johann Bernoulli, der als einer der ersten mit der
Infinitesimalrechnung vertraut war und sie
äußerst nutzbringend anzuwenden wusste.
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Cramer' sche Regel |
Im ersten Kapitel der
führt Cramer gewisse Typen von Kurven ein und
beschreibt Techniken, sie zu zeichnen. Im zweiten Kapitel bespricht er
Transformationen zur Vereinfachung dieser Kurven. Im dritten Kapitel
stellt er zunächst fest, dass der Graph einer Gleichung n-ten Grades
durch 1/2*(n2+3n) Punkte festgelegt wird. Für eine
Gleichung 2.Grades
sind dies also 5 Punkte, von denen jeder zu einer linearen Gleichung
führt. Auf diese Weise erhält Cramer ein lineares Gleichungssystem
mit
fünf Gleichungen und fünf Unbekannten, das er mit der heute als „Cramer’ sche Regel“ bekannten Methode löst, die nach ihm benannt
ist,
obwohl er sicher nicht der erste gewesen ist, der sie benutzte. |
Als Castillon-Cramer-Problem ist eine Aufgabe bekannt, die Cramer
Castillon stellte und die
dieser erst 25 Jahre nach Cramers Tod löste. Dabei sind drei Punkte
innerhalb eines Kreises
gegeben, und es soll dem Kreis ein Dreieck einbeschrieben werden, das
diese drei Punkte
enthält.
Cramer starb am 4.1.1752 an den Folgen
eines Unfalls, den er 3 Monate zuvor erlitten hatte. |
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