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Johann
Bernoulli
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geboren:
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27. Juli 1667 in
Basel / Schweiz
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gestorben:
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1. Januar 1748 in
Basel / Schweiz
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Aus der Vorlesung bekannt durch
- die Regel von Johann Bernoulli
und de l'Hospital
- Partialbruchzerlegung und Inte-
gration rationaler Funktionen
- Trennung der Variablen
- Richtungsfelder von Differentialgleichungen
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Johann Bernoulli entstammt einer Familie, die innerhalb eines
Jahrhunderts fast ein Dutzend ausgezeichneter Ma-
thematiker hervorbrachte,
die untereinander jedoch größtenteils in mathematischer Fehde lebten und
einander ei-
fersüchtig den Erfolg neideten. So wies z.B. Johann seinen
Sohn Daniel aus dem Haus, als dieser einen Preis der
Akademie der
Wissenschaften in Paris gewonnen hatte, den er selbst angestrebt hatte. Auch ist
vielen dieser Ma-
thematiker gemeinsam, dass sie auf Verlangen der Eltern ein
anderes Studium absolvieren mussten (z.B. Theolo-
gie, Philosophie, Medizin
oder Jura), in dem sie jeweils auch sehr erfolgreich waren, obwohl sie den
größten Teil
ihrer Zeit mit mathematischen Studien zubrachten.
Johann Bernoulli war das zehnte Kind von Nicolaus (1623 - 1708) und
Margarethe Bernoulli. Sein Vater stammte
aus den spanischen Niederlanden und
hatte in Antwerpen und Amsterdam ein Gewürzgeschäft aufgebaut. Als Cal-
vinist floh er wie viele andere Protestanten, als König Philip von
Spanien mit Gewalt das römisch-katholische Be-
kenntnis durchsetzen ließ,
und verlegte sein Gewürzgeschäft nach Basel. Dort war er als Ratsherr ein
einflussrei-
cher Bürger, und seine Frau kam ebenfalls aus einer angesehenen
Baseler Familie.
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Nach
dem Willen seiner Eltern sollte Johann das elterliche Gewürzgeschäft übernehmen,
und im Alter von 15 Jahren arbeitete er auch für
ein Jahr dort. Doch da er
die Arbeit nicht gern tat, machte er sie auch
nicht gut, so dass ihm sein
Vater, wenn auch wiederwillig, die Zustimmung zu einem Studium gab,
allerdings statt zum gewünschten Mathematikstudium nur zum Medizinstudium.
Als Kind hatte Johann Bernoulli erlebt, wie sein zwölf Jahre älterer Bruder Jakob sich gegen
den Willen seiner Eltern der Mathematik
zuwandte, und er selbst
machte es ihm nun nach, indem er zwar sein
Medizinstudium, sogar
bis zur Promotion, durchführte, sich aber
gleichzeitig deutlich intensiver mit Mathematik beschäftigte.
Als er an die Universität Basel kam, hielt sein Bruder dort gerade Vorlesungen
über Experimentalphysik. Gemeinsam studierten sie Leibniz’
Schriften über
Infinitesimalrechnung, und schon nach zwei Jahren waren sie sich
mathematisch ebenbürtig.
Beide gelten nach Leibniz und
Newton als wichtigste Begründer der
Infinitesimalrechnung.
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Jakob
Bernoulli
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In seiner ersten Veröffentlichung beschäftigte sich Johann mit dem wenig
mathematischen Thema der alkoholi-
schen Gärung, doch schon bald ging er nach
Genf und hielt dort Vorlesungen über Differentialrechnung. Von dort
wechselte er nach Paris, wo er zum Kreis der Mathematiker um Malebranche
stieß, in dem sich in Nachfolge von
Descartes hervorragende Mathematiker vereint hatten,
darunter als vielleicht besten Mathematiker in Paris dieser
Zeit den Marquis
de l’Hospital.
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Guillaume Marquis de l'Hospital
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Die
Brüder Bernoulli hatten sich gemeinsam die kurz
zuvor von Leibniz
eingeführte Infinitesimalrechnung
erarbeitet, weiterentwickelt und mit
ihrer Anwendung
auf praktische Probleme bereits große Erfolge erzielt,
während dies dem Marquis nicht gelungen war. Auf
seinen Wunsch und gegen
eine großzügige Bezahlung
gab ihm Johann Bernoulli daher Privatunterricht
über
diese Rechenmethoden, zunächst in Paris und in de
l’Hospitals
Landhaus in Oucques, nach Bernoullis
Rückkehr nach Basel per Briefwechsel.
(1696) veröffentlichte de l'Hospital die von Bernoulli
gelernten Verfahren
in seinem Buch Analyse des in-
finiment petits pour l'intelligence des
lignes courbes,
(Analyse des unendlich Kleinen zur Untersuchung
gekrümmter Linien), womit er sich dauerhaften ma-
thematischen Ruhm
sicherte.
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Erwartungsgemäß
war Johann Bernoulli äußerst gekränkt, dass dieses Buch nicht die
Tatsache seines geistigen Ei-
gentums anerkannte, sondern der Marquis
lediglich im Vorwort
„den
Brüdern Bernoulli, insbesondere dem jünge-
ren, der jetzt Professor in
Groningen ist, für viele brillante Ideen dankte“.
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Inhalt
dieses Buches ist u.a. die „Regel von de l’Hospital“ , die also in
Wirklichkeit von Johann Bernoulli gefunden
wurde. Doch ist dies erst
seit 1922 bekannt, als eine Abschrift der
Ausarbeitung von Johann Bernoulli gefunden wurde, die sein Neffe Nicolaus
(I) Bernoulli angefertigt
hatte. Diese Ausarbeitung ist
mit dem Buch de l’Hospitals praktisch
identisch , wenn auch der Marquis einige Fehler Bernoullis korrigierte, wie z.B. die
fehlerhafte Meinung, das Integral von 1/x sei endlich.
Nach de l’Hospitals Tod im Jahre 1704 beanspruchte Bernoulli die geistige Urheberschaft für
sich, und es scheint, dass er zu Lebzeiten des
Marquis aufgrund des
Vertrages zwischen ihm und de l’Hospital zur
Verschwiegenheit in dieser
Sache verpflichtet war. Doch kaum jemand glaubte ihm bis im Jahre 1922 der
Beweis gefunden wurde,
aber da hatte sich der Name „Regel
von de l’Hospital“ bereits durchgesetzt, obwohl es richtiger „Regel
von Johann Bernoulli“ heißenmüsste.
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Regel von de l'Hospital
(eigentlich von Johann Bernoulli)
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Obwohl
er gleichzeitig an
seiner medizinischen Dissertation
über das Thema „Muskelbewegung“ arbeitete (1694),
bei der er mathematische
Methoden auf die Medizin anwenden konnte, gelangen Bernoulli in dieser Zeit
einige
bewundernswerte mathematische Leistungen.
Schon 1691 hatte er das
Problem der Kettenlinie gelöst, das im sel-
ben Jahr von
seinem Bruder Jakob formuliert worden war, und dies war der erste bedeutende
mathematische Bei-
trag, der ihm unabhängig von seinem Bruder gelungen war,
wenn er dabei auch Ideen benutzte, die dieser bei
der Formulierung des
Problems mitgegeben hatte. Johann untersuchte die Funktion f(x)=xx
, unendliche Reihen
mit der Methode der partiellen Integration, erkannte,
dass die Integration die Umkehrung der Differentiation war
und löste so mit
großem Erfolg Differentialgleichungen. Er berechnete die Grenzwerte
unendlicher Reihen und
entdeckte die Additionstheoreme der trigonometrischen
und hyperbolischen Funktionen, indem er die Differential-
gleichungen
untersuchte, die diese Funktionen erfüllen.
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Das Brachystrochronenproblem in der Formulierung von Johann Bernoulli:
"An
die scharfsinnigsten Mathematiker, die auf dem ganzen Erdkreis blühen:
Ein Punkt A soll mit einem in derselben Vertikalebene befindlichen Punkt B
derart durch eine Kurve verbunden werden, dass ein längs dieser Kurve
herabgleitender schwerer Punkt in möglichst kurzer Zeit von A nach B
gelangt".
"Ich
erkenne den Löwen an seiner Pranke".
(Bernoulli zu
der Lösung, die Newton anonym eingesandt hatte)
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Johann
stellte im Juni 1696 das Problem der Brachystro-
chronen und forderte andere
Mathematiker auf es zu lö-
sen. Fünf richtige Lösungen gingen ein (von ihm selbst,
Jakob, de l’Hospital, Newton und Leibniz) und eine un-
vollständige
und fehlerhafte von Galileo. Um nicht von
seinem Bruder ausgestochen zu
werden formulierte Ja-
cob Bernoulli das isoperimetrische Problem, bei dem die
von einer Kurve eingeschlossene Fläche minimiert wer-
den muss. Johanns Lösung
dieses Problems war weniger
zufriedenstellend als die Jakobs, doch fand er,
als er sich
1718 nach der Lektüre des Werkes von Taylor erneut mit
dieser
Thematik beschäftigte, eine elegante Lösung, die
die Grundlage der
Variationsrechnung legte.
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Im
Jahre 1705 erhielt Johann Bernoulli in Groningen einen Brief, dass sein
Schwiegervater im Sterben liege und
nach seiner Tochter und den Enkeln
verlange. Bernoulli entschied sich, gemeinsam mit seinem Neffen Nikolaus(I)
Bernoulli, der zu dieser Zeit in Groningen bei seinem Onkel Mathematik
studierte, nach Basel zurückzukehren. Auf
der Reise erfuhr Johann, dass
sein Bruder Jakob zwei Tage vor seinem Aufbruch an Tuberkulose gestorben
war,
und so setzte er nach seiner Ankunft in Basel alle Hebel in Bewegung,
um seine Nachfolge auf dem Lehrstuhl für
Mathematik in Basel anzutreten,
was ihm schließlich auch gelang. Dabei lehnte er mehrere andere Rufe ab,
u.a.
gleich zwei der Universität Utrecht, der Universität Leiden und auch
ein Angebot der Universität Groningen im Jah-
re 1717, erneut dorthin zu
wechseln. Sein Schwiegervater lebte übrigens noch drei Jahre, in denen er
sich sehr an
der Anwesenheit seiner Tochter und seiner Kinder in Basel
erfreute.
Im
Jahre 1713 nahm Johann Bernoulli im Streit zwischen Newton und Leibniz über
die geistige Urheberschaft und
Leistungsfähigkeit der Differential- und Integralrechnung Partei für
Leibniz und zeigte die Überlegenheit von des-
sen Rechenmethode, mit der er ein Problem löste, das Newton mit seiner
Methode nicht hatte lösen können. Eben-
so stellte er sich im Streit zwischen der Wirbeltheorie Descartes’ und der
Gravitationstheorie Newtons zur Erklä-
rung der Gezeiten gegen den Engländer. Dies war jedoch ungerechtfertigt,
und so verhinderte er durch sein Anse-
hen und seinen Einfluss lange Zeit die Akzeptanz der Newton’ schen
Gravitationstheorie auf dem europäischen
Kontinent.
Johann
Bernoulli war schon zu Lebzeiten äußerst berühmt. Nach dem Tode von
Leibniz und Newton galt er als
der führende Mathematiker Europas. Er war Mitglied der Akademien von Paris,
Berlin, London, St. Petersburg
und Bologna und wurde der „Archimedes seiner Zeit“ genannt, was auch auf
seinem Grabstein steht.
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Lebenslauf
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1667 geboren am 27. Juli
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1682
Arbeit im Gewürzgeschäft seiner Eltern
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1683
Beginn des Medizinstudiums an der Universität Basel
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1685
Erstes medizinische Examen (Magister Artium)
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1690
Zweites medizinisches Examen (Lic. med.) und erste Veröffentlichung
(über alkoholische Gärung)
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1691
Bestimmung der Kettenlinie; Vorlesung über Differentialrechnung in Genf
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1692
Aufenthalt in Paris, dabei Zusammentreffen u.a. mit Malebranche und de
l'Hospital
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1694
Promotion in Medizin über das Thema "Muskelbewegung";
Untersuchung der Funktion f(x) = xx
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1695
- 1705 Professor für Mathematik in Groningen
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1697
Formulierung und Lösung des Problems der Brachystrochronen
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1699
Mitglied der Akademie der Wissenschaften in Paris
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1701
Mitglied der Akademie der Wissenschaften in Berlin
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1705
- 1748 Professor für Mathematik in Basel
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1712
Mitglied der Akademie der Wissenschaften in London
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1714
Veröffentlichung der Théorie de la manoeuvre des vaisseaux
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1735
Mitglied der Akademie der Wissenschaften in St. Petersburg
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1738
Veröffentlichung der Hydrodynamica
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1742
Veröffentlichung der Opera omnia
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1745
Veröffentlichung der Commercium philosophicum et mathematicum
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1748
gestorben am 1. Januar
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